40 Jahre Momo

Ein Märchen wird erwachsen

Generationen von Kindern wuchsen mit den Geschichten Michael Endes auf. Kaum ein Kind, das nicht mit Bastian Baltasar Bux durch Phantasien gereist wäre, oder mit Jim Knopf und seinem Freund, dem Lokomotivführer Lukas, Abenteuer auf Lummerland erlebt hätte. Im August 1973 erscheint Michael Endes „seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“. Das Buch Momo in mehr als 40 Sprachen übersetzt und weltweit über 9 Millionen Mal verkauftist damit eines der hundert meistgelesenen Bücher der Welt.

Michael Ende erzählt mit Momo eine Geschichte vom Verlust der Lebenszeit sowie der verlorenen Fähigkeit des gegenseitigen Zuhörens. Mit diesem Roman hat er bereits vor 40 Jahren eine treffende Beschreibung unserer heutigen gesellschaftlichen Situation geschaffen. Im Hintergrund der Erzählung stehen Endes wenig beachtete Überlegungen zum herrschendes Finanzsystem, die den Schriftsteller über Jahrzehnte hinweg tief beschäftigt haben.

13 Jahre nach Erscheinen des Buches bestätigte Michael Ende in einem Briefwechsel mit dem Ökonomen Werner Onken dessen Vermutung. Michael Ende schrieb: … „Ich freue mich sehr, dass Sie mein Buch so gut verstanden haben. (...) Übrigens sind Sie bis jetzt der erste, der bemerkt hat, dass die Idee des alternden Geldes im Hintergrund meines Buches Momo steht ...“

In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich Michael Ende besonders intensiv mit ökonomischen Themen. In seiner Rolle als Kinderbuchautor wurde er mit diesem Thema in der deutschsprachigen Öffentlichkeit jedoch kaum ernstgenommen.

Der Film zeichnet ein Mosaik von Begegnungen mit Menschen aus dem engen Freundeskreis Michael Endes, die sein Schaffen und sein Anliegen kannten und die Quelle seiner Motivation beschreiben können. Wir treffen unter anderem Roman Hocke, Freund und langjähriger Lektor Michael Endes, Friedrich Hechelmann, Illustrator und enger Freund, den Ökonomen Werner Onken sowie weitere Weggefährten, die sich mit den übergreifenden Themen des Buches Momo, persönlich oder wissenschaftlich auseinandersetzen. Und wir treffen Michael Ende selbst, in einem bis jetzt in Deutschland unveröffentlichten Interview über den Einfluss von Geldsystemen auf Gesellschaft und Umwelt, das der Schriftsteller einem japanischen Filmteam zwei Jahre vor seinem Tod gab.


Ein Film von Hanni Welter, Masayo Oda-Sachs und Oliver Sachs

Redaktion Heike Springer